Kritik am Freundschaft mit Kindern - Förderkreis e.V.
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Ein Aufklärungs-Buch

Auf einem "Antipädagogik-Treffen" in Köln 1995 kam es zum Eklat. Hubertus und Krystyna (Vorstandsmitlieder von Freundschaft mit Kindern - Förderkreis e.V.) reisten vorzeitig ab. Sie waren nicht mehr bereit, auf Fragen und Vorwürfe zu antworten. Teilnehmer des Treffens waren Annette Böhm, Wolfgang Hinte, Meta Sell, Bertrand Stern, Mike Weimann, Hubertus von Schoenebeck, Ekkehard von Braunmühl und Krystyna Schulte. Daraufhin lief bei Ekkehard von Braunmühl das Faß über, und er schrieb ein Buch, in dem er die Veröffentlichungen von FMK und Hubertus von Schoenebeck sowie Erfahrungsberichte von Seminarteilnehmer systematisch analysierte.

Ekkehard von Braunmühl: "Was ist antipädagogische Aufklärung? Mißverständnisse, Mißbräuche, Mißerfolge der radikalen Erziehungskritik",
KID-Verlag, Bonn 1997,
150 Seiten, 16 DM, ISBN 3-929386-15-1

Hierzu gibt es etliche Rezensionen.

 

 

Rezensionen

Es existieren einige Rezensionen über dieses Buch, in dem die Thesen des Vereins Freundschaft mit Kindern und die Veröffentlichungen des wichtigsten Repräsentanten des Vereins, Hubertus von Schoenebeck, analysiert werden.

  1. Bernd Sensenschmidt in Deutsche Lehrerzeitung, 20.3.1997
  2. Wolfgang Hinte in Kinderinformationsdienst, 1/97
  3. Benjamin Kiesewetter in Regenbogen, Heft 20 (1997)
  4. Julia Franz in Regenbogen, Heft 21 (1997)

 

 


Bernd Sensenschmidt in Deutsche Lehrerzeitung, 20.3.1997

"Du kannst nichts falsch machen"

Heilsbotschaften einer "kinderfreundlichen" Sekte

 

Du kannst nichts falsch machen" – welch tröstliche Worte für ausgelaugte Pädagoginnen und Pädagogen, die sich tagtäglich den Kopf zerbrechen, wie sie es denn richtig machen könnten. Die Botschaft stammt von Dr. Hubertus von Schoenebeck, der seinen Versuch, ein "kinderfreundlicher Lehrer" zu sein, nach kurzer Lehrertätigkeit aufgab, den "Freundschaft-mit-Kindern-Förderkreis (FmK) gründete und sich anschickte, Ekkehard von Braunmühls radikale Erziehungskritik ("Antipädagogik", Erstauflage 1975) in eine erziehungsfreie Lebensführung umzusetzen und die Rechte der Kinder zu realisieren, "wozu es eines neuen Erwachsenen bedarf". Nicht wenige professionelle Pädagoginnen und Pädagogen suchten auf FmK-Seminaren seit 1978 Hilfe und Anregungen für ihre aufreibende Arbeit. Im letzten Jahr wurde die tiefe Kluft zwischen Antipädogogik als kritischer Theorie einerseits und der von Schoenebeck propagierten "Revolution der Herzen" andererseits unübersehbar.

Im Bonner "Kinderinformationsdienst" warf Ekkehard von Braunmühl ihm vor FmK zur "Privatsekte" funktionalisiert zu haben und kündigte an, diesen Vorwurf zu belegen mit seinem Buch: "Was.ist antipädogogische Aufklärung Mißverständnisse, Mißbräuche, Mißerfolge der radikalen Erziehungskritik". Mit diesem Buch mutet Braunmühl den Erziehungs-kritikern mit bestechender logischer Stringenz die gleichermaßen fundierte Kritik zu, mit der die Antipädagogik vor überzwei Jahrzehnten angetreten war, und deckt behauptete und geglaubte Unwahrheiten schonungslos auf.

Dazu ein Beispiel: Schoenebeck erklärt alle Menschen von Geburt an für "selbstverantwortlich". Die Wortschöpfung "Selbstverantwortung" bzw. "Selbstverantwortlichkeit" hebt zunächst auf Assoziotionen mit dem biologischen Selbst-regulierungsprinzip, der existentiellen Selbstbestimmung, ab. Nun hat aber der Begriff "Verantwortung" zweifellos eine soziale Bedeutung, er bezieht sich auf die Folgen von Handlungen: "Verantwortungsvolle" Menschen bedenken vor einer Handlung, wie sie den von den Handlungsfolgen betroffenen Mitmenschen gegenüber "Rede und Antwort" stehen können, sie lassen sich "zur Verantwortung ziehen" entsprechend den sozialen Spielregeln unter Menschen, die nichts vom Faustrecht halten. Für Schoenebeck folgt aus der Selbstverantwortung": "Auf mein Verhalten kannst du mit Freude oder Schmerz reagieren – dies ist deine Zuständigkeit, für deine Reaktionen auf mein Tun bin nicht ich, sondern bist du selbst verantwortlich." Wenn ich – nach Schoenebeck – selbst jederzeit mein eigenes Bestes wahrnehme, stets "Chef meines Lebens" bin und meine Wut in einem Wutausbruch "selbstverantwortlich" äußere, liegt es ausschließlich in der Zuständigkeit der gerade mit mir interagierenden Mitmenschen (also z. B. auch Säuglingen, Kleinkindern oder hilflosen Erwachsenen) zu entscheiden, wie sie auf meinen Anfall reagieren; allen Ernstes behauptet Schoenebeck ohne jegliche Einschränkung, ausschließlich der/die Partner/in sei für seine / ihre Reaktion verantwortlich zu machen. "Wie 'selbstverantwortlich' schreien Babies, wenn sie gequält werden? Wie 'selbstverantwortlich‘ schwellen Beulen, wenn Kinder verprügelt werden" (deren Erzieher nur "ihr Bestes" wahrnehmen)? fragt Braunmühl und kommt zum Schluß: "Das, Du bist selbstverantwortlich heißt im Klartext:,Ich bin frei von Verantwortung‘. Und das ,Ich bin selbstverantwortlich’ heißt im Klartext: ,Niemand kann mich zur Verantwortung' ziehen. Fazit: "selbstverantwortlich" = unverantwortlich/verant-wartungslos!

Braunmühl deckt weitere gezinkte Karten auf: Subjektivität" ("Es gibt nur subjektive Erkenntnisse", somit kein Wissen und keine Wissenschaft), "Achtung vor der inneren Welt" (in der Schoenebeck den menschlichen Verstand unterschlägt und die äußere Welt mißachtet) und "Sozialität" (radikale Ichbezogenheit, Nichtexistenz von Fehlern, Gewalt ist nicht Gewalt, niemand soll sich "zur Gewaltlosigkeit vergewaltigen". Schoenebeck hält ichbezogenen Einsatz von Gewalt für unvermeidlich und "korrekt"). Braunmühl weist nach, daß für Schoenebeck "Gewalt" nicht objektiv definierbar ist, demnach auch nicht juristisch faßbar: "Es gibt keine Gewalt – außer man fühlt es" (wobei "man" den Gewaltausübenden meint!), und: "Gewalt ... läßt sich nicht beseitigen". (Das schreibt einer, der für sich in Anspruch nimmt, die Kinderrechtsbewegung in Deutschland initiiert und maßgeblich gefördert zu haben.)

Spätestens beim Lesen des Gewalt-Kapitels (S. 87 ff) wird für die Leser nachvollziehbar, warum Braunmühl sich bis dahin immer wieder merklich "an den Kopf faßt" bei der Bewußtwerdung, daß die vom gemeinnützigen. "Freundschaft mit Kindern-Förderkreis" verbreiteten Verwirrspiele des Dr. von Schoenebeck so lange so vielen ahnungslosen Zuhörern, Lesern, Seminarteilnehmern und (Volks-)Hochschulen als "erziehungskritisch" verkauft werden konnten, ohne daß ihren kritischen Verstand weiterhin nutzende Pädagogen Schoenebeck als "FmK-Guru" (Braunmühl) erkannt und entlarvt hätten. Dieser spricht offenbar die wunden Punkte der pädagogischen Profession derart geschickt an, daß die "Suchenden" nicht erkennen, welche Mogelpackung sich hinter "dem schönen Schein" des FmK- Kartenhauses" verbirgt – ein Wesensmerkmal aller Psychosekten.

Ich habe Braunmühls neues Buch gründlich auf mögliche "Denkfehler" (die es für Schoenebeck zwar nicht gibt, aber den Verstandbenutzern ja durchaus unterlaufen können) hin untersucht – und bisher keinen gefunden; bei der Enthüllung dieses Skandals ist der Autor m. E. mit großer Sorgfalt vorgegangen. Wessen Verstand nicht wegen "Subjektivitis" (Braunmühl) geschrumpft ist, findet zu einem sehr moderaten Preis eine spannende Entwirrung eines raffiniert geknüpften Knotens.

Bernd Sensenschmidt

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Wolfgang Hinte in Kinderinformationsdienst, 1/97

Einzigartiges Lesevergnügen

Dr. Wolfgang Hinte (Professor für Erziehungswissenschaft)

(Zu Bernd Sensenschmidts Rezension des Buches "Was ist antipädagogische Aufklärung" von E. von Braunmühl in Kid 1/97)

Für mich war das Buch nicht nur die "Enthüllung eines Skandals" (Sensenschmidt), sondern auch ein einzigartiges Lesevergnügen, aufklärerisch, sprachlich ein Genuß sowie angemessen sachlich, kämpferisch und witzig. Mir ging es zuvor bei der Lektüre von Schoenebecks Schriften ähnlich wie Braunmühl selbst - vieles von dem Schwachsinn hatte ich lange Zeit schlichtweg einfach überlesen, nicht gerade begeistert, aber vorsichtig zustimmend zur Kenntnis genommen oder für etwas wirr, aber dennoch akzeptabel gehalten. Ich habe dies seinerzeit in einer Rezension in "Psychologie heute" zum Ausdruck gebracht.

Braunmühl hat recht: einen Großteil des Unfugs erkennt man erst dann als solchen, wenn man differenziert auf Schoenebecks Worte schaut und sich in den "Sinn" hineindenkt. Dieser wird sich vermutlich (obwohl Braunmühl und auch Sensenschmidt diesen Begriff vermeiden) letztendlich als echter "Wahnsinn" herausstellen. Denn die Schoenebecksche Verweigerung jedweder Diskussion macht nur dann "Sinn", wenn man - wie er - das Wunschdenken bzw. die Realitätsflucht so weit treibt, sich als tatsächlich unfehlbar zu wähnen.

Aber vielleicht ist "Irrsinn' der humanere Begriff. Denn Irren ist menschlich, und wer das bestreitet (wie es Schoenebeck immer bedingungsloser tut), vollzieht in den Augen von Menschen, die ihren Verstand nicht an der "Gurudrobe" abgegeben haben (EvB, S. 42), selbst den Schritt vom Irrenden zum Irren.

Schoenebecks "Lebensphilosophie" jedenfalls propagiert nicht "Antipädagogik" (oder auch: "Postpädagogik"), sondern die Rebarbarisierung der intergenerationellen Beziehungen.

Dieser Befund ist so eindeutig und die skrupellose Selbstbezogenheit der Schoenebeckschen Erziehungsideologie ist (nach Kenntnisnahme der Braunmühlschen Analysen) so offenkundig, daß ich den Institutionen (z.B. den Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband), die den Freundschaft mit Kindern Förderkreis e. V. als Mitglied akzeptieren und ihm dadurch eine gewisse Seriosität bescheinigen, nur dringend empfehlen kann, entsprechende Konsequenzen zu ziehen.

Natürlich genießen in einer freien Gesellschaft auch unzurechnungsfähige Wirrköpfe, Psychopathen und Sektenführer den Schutz der Meinungsfreiheit - und das ist auch gut so! Die Frage ist indes, ob öffentliche Institutionen einen narzistischen Psycho-Guru, der Verantwortungslosigkeit sogar zum Ideal erhebt, weiterhin unterstützen sollen, wo jetzt klar geworden ist, daß der Erfolg seiner Bauernfängerei maßgeblich auf diese Unterstützung zurückzuführen ist.

Es ist schwer einzuschätzen, welchen Schaden Schoenebeck und sein Förderkreis wissenschaftlich und politisch der Kinderrechtsbewegung zufügt. Ich halte jedenfalls die antipädagogische Aufklärung, wie Braunmühl sie besonders im letzten Teil seines Buches betreibt (den Sensenschmidt nicht erwähnt), für so allgemein wichtig und überzeugend, daß ich mir eine neue Grundsatzdiskussion wünsche - wie sie vor zwanzig Jahren nicht nur die Fachöffentlichkeit bereits begonnen hatte, bis sie durch das Auftreten von Schoenebeck mit seinen Verrücktheiten ("Es gibt keine Fehler", "Es gibt keine Gewalt" u. dgl.) buchstäblich erstickt wurde. Hier wäre ein Zeichen zu setzen.

Dr. Wolfgang Hinte (Professor für Erziehungswissenschaft)

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KinderRächtsZeitung Regenbogen

creativ × unabhängig × unbändig

 

Nr. 20 (1/97)

 

Buchrezension: "Was ist antipädagogische Aufklärung?" von Ekkehard von Braunmühl

Wenn eine Patience aufgeht, freut man sich darüber. Dies ist bei Jostein Gaarders "Kartengeheimnis" geschehen und macht es zu einem höchstinteressanten, spannenden Roman. Die Lüftung des Kartengeheimnisses von Dr. Hubertus von Schönebeck ist nicht minder spannend und interessant. Seine Karten sind gezinkt und beim Betrachten der Rückseite bleibt einem die Freude über das geniale Auflösen seines Kartengeheimnisses, das von Braunmühl in seinem neuen Buch vorführt, im Halse stecken.

Antipädagogik war 1975 ein Buch - eine Gegentheorie zu der Behauptung, man müsse Kinder erziehen. Sie war eine Analyse der pädagogischen Einstellung, die von Mißtrauen, Besserwisserei und letztlich Menschenfeindlichkeit geprägt war (und ist). Sie war eine Forderung, Kinder als gleichberechtigte Menschen zu akzeptieren, die nicht verbessert, bekehrt, erzogen werden müssen, sondern denen man Respekt, Vertrauen, Toleranz und Unterstützung bieten sollte.
Und die seriöse Antipädagogik hat sich weiterentwickelt, hat sich an Eltern gewandt, um ihnen beim "Ablegen des Erziehungsanspruchs" zu helfen ("Zeit für Kinder", 1978), hat sich von ihrem bissigen Stil verabschiedet, wurde zu einer antipädagogischen Aufklärung - zwischenzeitlich zu einer Antipsychopädagogik ("Zur Vernunft kommen", 1990) -, wurde eigentlich immer besser, differenzierter und seelenfreundlicher - gerade auch für Erzieher. Und schließlich wurde sie immer bedeutungsloser in der Öffentlichkeit. 1997 schreibt von Braunmühl: "Viele Leute sagen: >Antipädagogik? Kannst du vergessen!< Und ich verstehe sie gut."

Parallel zu der Entwicklung der seriösen Antipädagogik entstand der "Förderkreis Freundschaft mit Kindern e.V." unter Leitung von Dr. von Schönebeck, der sich den Begriff Antipädagogik zu eigen und durch zahlreiche Vorträge und Seminare auf sich aufmerksam gemacht hatte. Der Verein verstand aber unter Antipädagogik weit mehr als nur eine Absage an die Pädagogik - eher vertrat er eine neue "Lebensphilosophie", nach der es keine Wahrheit mehr gibt und man keine Fehler machen kann, alles Existierende nur dann existiert, wenn es jemand subjektiv so empfindet, wonach z.B. Gewalt gar nicht oder nur dann existiert, wenn es jemand so empfindet und derjenige, der es empfindet ist dafür auch noch veranwortlich, weil schließlich er es so empfindet. Außerdem seien alle Menschen immer für sich "selbstverantwortlich", ein Begriff, mit dem v. Schönebeck den Unterschied zwischen den Motiven und den Taten verwischt, wegzaubert.
Manche dieser Positionen werden in manchen Philosophenkreisen (z.B. bei den "Radikalen Konstruktivisten") ernsthaft diskutiert. Denkt man aber zu Ende - und das führt uns von Braunmühls kritischer Verstand auf geniale Weise vor - fällt das Kartenhaus zusammen: Dann stimmen plötzlich die Gleichungen Selbstverantwortung = Verantwortungslosigkeit, Subjektivität = geistige Verwahrlosung, Achtung vor der inneren Welt = Ignoranz gegenüber der Freiheit der anderen, Sozialität = asozialer Narzißmus. Aber unabhängig vom Streit der Philosophen, muß man von Braunmühl mindestens in einem rechtgeben: daß hier seit Jahren unter dem Namen der Antipädagogik etwas debattiert wurde, was da nicht hereingehört und was ihrem ursprünglichen Ansatz womöglich sehr geschadet hat.

Das neue Buch von Ekkehard von Braunmühl befaßt sich mit spannenden philosophischen Fragen und entschlüsselt ein Kartengeheimnis. Außerdem und vor allem bietet es für alle interessierten Menschen weitere gute und ernsthafte Argumente für die Abschaffung der Erziehung. Jeder, der dieses Buch gelesen hat, wird einsehen müssen, daß antipädagogische Aufklärung eine hochseriöse, mindestens aber ernstzunehmende, eine notwendige, wichtige, zumindest aber eine im Grunde richtig gedachte Angelegenheit ist. Das Buch kostet nur 16 DM, hat knapp 150 Seiten und ist im Buchhandel erhältlich.

Wir werden im nächsten Regenbogen vielleicht noch etwas näher auf die angesprochenen inhaltlichen Auseinandersetzungen eingehen.

Benjamin Kiesewetter

Erhältlich im Buchhandel:

Ekkehard von Braunmühl: Was ist antipädagogische Aufklärung? Mißverständnisse, Mißbräuche, Mißerfolge der radikalen Erziehungskritik, KID-Verlag, Bonn 1997, 16 DM.

Ekkehard von Braunmühl: Antipädagogik - Studien zur Abschaffung der Erziehung, Beltz Verlag, Weinheim 1975, 8. Auflage 1993

Ekkehard von Braunmühl: Zeit für Kinder, Theorie und Praxis von Kinderfeindlichkeit, Kinderfreundlichkeit und Kinderschutz, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a.M., 1978, 16. Auflage 1995

Zu bestellen bei Annette Böhm, Hülchrather Str. 3, 50670 Köln:

A) Ekkehard von Braunmühl: Zur Vernunft kommen - Eine Anti- Psychopädagogik (ursprünglich Beltz Verlag, Weinheim 1990)

B) Annette Böhm und Ekkehard von Braunmühl: Liebe ohne Hiebe - Der Weg zur harmonischen Familienbeziehung (ursprünglich Patmos Verlag, Düsseldorf, 1993)

C) Annette Böhm und Ekkehard von Braunmühl: Gleichberechtigung im Kinderzimmer - Der vergessene Schritt zum Frieden (ursprünglich Patmos- Verlag, Düsseldorf 1994)

(A= 23,- , B= 20,- , C= 20,- A&B oder B&C= 38,- B&C= 30,- ,A&B&C= 53,-)
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KinderRächtsZeitung Regenbogen

c r e a t i v u n a b h ä n g i g u n b ä n d i g

Nr. 21 (2/97)



“Vom Fehlen der Fehler”

„Man kann keine Fehler machen.“, „Es gibt keine Gewalt.“, „Ich setze selbstverständlich meine Machtmittel ein.“, „Ich gebe nie mehr nach - ich finde andere Wege.“, „Du kannst meinen antipädagogischen Herzschlag fühlen.“
Das sind fünf von 113 „Antipädagogischen Symbolsätzen“ von Dr. Hubertus von Schoenebeck, dem Gründer des „Freundschaft mit Kindern - Förderkreis e.V., Münster“ (FMK). Im letzten Regenbogen (könnt ihr bestellen) wurde bereits das neue Buch von Ekkehard von Braunmühl „Was ist antipädagogische Aufklärung?“ vorgestellt, in dem Hubertus von Schoenebeck schwere Vorwürfe gemacht werden. Durch den Mißbrauch der Begriffe „Antipädagogik“ und „Kinderrechtsbewegung“ für seine äußerst fragwürdige „Lebensphilosophie“ habe er der von Ekkehard von Braunmühl betriebenen seriösen antipädagogischen Aufklärung erheblich geschadet. - Hier folgt nun, wie angekündigt, die weitere inhaltliche Auseinandersetzung; und zwar mit von Schoenebecks These „Es gibt keine Fehler.“

Wie kommt man eigentlich auf sowas? Geht nicht jeder mal von falschen Tatsachen aus und erreicht damit etwas vollkommen anderes als geplant? Wodurch sollten Menschen jemals etwas lernen, wenn sie keine Fehler begehen könnten? Und vor allen Dingen: Was hat das alles mit Antipädagogik zu tun?

Hubertus von Schoenebeck legt nicht besonders großen Wert darauf, durch rationale Argumente aufzuklären. Davon konnte ich mich bei einem seiner Vorträge überzeugen, als er in der nachfolgenden Diskussionsrunde auf Kritik oder Fragen erwiderte: „Ich bin Hubertus von Schoenebeck, und dort ist die Tür.“ Ekkehard von Braunmühl beschreibt es so: „Nehmen Sie zur Kenntnis: Wer FMK verstehen will, hat nichts verstanden.“
Im Gegensatz also zur antipädagogischen Aufklärung, die von Braunmühl vertritt, erschließt sich von Schoenebecks Antipädagogik „mit dem Gefühl“. Hier behauptet jemand, es gäbe keine Fehler (so, als ob alles Unangenehme durch bloßes Leugnen verschwände), ohne die Absicht, seine These zu begründen. Das macht man schließlich nur, um die Möglichkeit, sich zu irren, auszuschließen. Wer diese Möglichkeit einfach bestreitet, braucht auch nicht zu argumentieren.
Daß Fehler (auch außerhalb des naturwissenschaftlichen Bereiches) existieren, ist logisch. Zwar sind Gefühle nicht bewertbar; Taten, Handlungen, Aussprüche hingegen lassen sich sehr wohl in Kategorien wie „falsch/richtig“ einordnen. Dabei ist der Wunsch, unfehlbar zu sein, auf den ersten Blick verständlich. Besonders Menschen, die schlechte Erinnerungen an autoritäre Erziehung haben, werten den Begriff Fehler oft ganzheitlich, nehmen Fehler persönlich und würden das Risiko, Fehler zu machen, am liebsten beseitigen. Zu diesen Leuten scheint auch Hubertus von Schoenebeck zu gehören, denn er schreibt in einem Statement über Fehler: „Begriffspaar ‘richtig/falsch’ ist wichtig für Oben-Unten-Systeme wie  Pädagogik“. „Falsch! Setzen!“ assoziiert Ekkehard von Braunmühl und kommentiert: „Der Trotz muß doch dem ‘Setzen!’ gelten, nicht dem ‘Falsch!’“ - Denn auf den zweiten Blick wird klar, daß Fehler Lernen und Entscheidungen ermöglichen, daß verschiedene Optionen erst durch die Möglichkeit von Fehlern existieren, daß Fehler die Chance bieten, das eigene Verhalten und das anderer zu reflektieren, zu analysieren und dadurch eventuell eine Verbesserung zu erreichen. Das bereits angesprochene „Wegleugnen“ unangenehmer Dinge hat bei von Schoenebeck Methode. So ist unantastbarer Grundsatz: „Jeder spürt das eigene Beste.“ - „...Und das tut er auch.“, wird hier offenbar abgeleitet. Daraus resultieren widerum Fehler- und Schuldlosigkeit. Im Endeffekt zeigt sich die „Lebensphilosophie“ des FMK als verzweifelte Trotzreaktion, keinesfalls aber als Antipädagogik, der es ja um die Aufklärung von Denkfehlern geht. Im Gegenteil ist diese Theorie als Rechtfertigung verwendbar für alle denkbaren Ungerechtigkeiten (nicht nur) Kindern gegenüber: Der Mörder/Schläger hat schließlich, wie alle anderen auch, sein Bestes gegeben, wer würde es da wagen, ihn durch die Unterstellung einer „falschen“ Handlung zu „pädagogisieren“ und seine „Innere Welt“ anzutasten?! Die vermeintliche Alternative zur Pädagogik bedeutet praktisch die Abschaffung der Kategorie Recht und somit das nackte Faustrecht.

Diesen Etikettenschwindel haben einige K.R.Ä.T.Z.Ä. in einem Brief an den Verbraucherschutzbund benannt und kritisiert. Wir halten die FMK-Ideologie für eine äußerst gefährliche Irreführung und sind an einer öffentlich geführten Diskussion interessiert.
Wir schließen uns dem Rat an, den Ekkehard von Braunmühl den Lesern am Ende des Kapitels “Vom Fehlen der Fehler” gibt, nämlich die “schoenebeckschen Eigentümlichkeiten” nicht “für ‘antipädagogisch’ zu halten. Andernfalls würde ich Ihnen empfehlen, lieber weiter ‘pädagogisch’ zu denken. Das wäre ganz sicher der kleinere Fehler.”

Julia Franz

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